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Trainingsprinzipien von R. Grimmlinger 08/2020 und 01/2021 Progressivität Das wohl wichtigste Prinzip ist die Progessivität. Ohne kontinuierliche Steigerung kommt es irgendwann zur Stagnation und du wirst nicht mehr besser. Es müssen daher kontinuierlich neue Reize gesetzt werden. Du kannst den Wochenumfang schrittweise, die Intensität stufenweise erhöhen, aber auch mit Blocktrainings arbeiten. Darüber hinaus kann auch durch die Trainingsdichte und die Trainingshäufigkeit die Belastung gesteigert werden. Über ein gesamtes Jahr hinweg wird es zwar Phasen geben, in denen du auch weniger trainierst. Wichtig ist jedoch, dass du nicht während jedes Winters mit deinem Ausgangsniveau wieder beginnst zu trainieren, da du dich ja über mehrere Jahre hinweg steigern möchtest.
Trainingswirksamer Reiz Einleuchtend ist auch, dass ein Reiz nicht unterschwellig sein darf, wenn du etwas bewirken möchtest. Das Spazieren mit dem Hund oder die lockere Radausfahrt mit der Familie wird dich als Wettkampfathleten nicht weiterbringen. Wenn du deine Trainingsbereiche kennst, dann weißt du, dass Bewegungen, deren Intensität wesentlich unter deiner Grundlagenausdauer liegt, keine grundlegenden Verbesserungen hervorrufen werden. Gestalte dein Training also so, dass die Trainingseinheiten wirklich wirksam sind. Reversibilität Das Prinzip der Reversibilität besagt, dass jegliches Leistungsniveau ohne wirksame Trainingsreize wieder abgebaut wird. Je besser du bist, desto mehr hast du zu verlieren. In Abhängigkeit des betroffenen Systems gibt es große Unterschiede in Bezug auf den Verfall. So wurde in Untersuchungen schon eine erschreckende Reduktion der Mitochondrien, den Energiekraftwerken der Muskelzelle, nach ein bis zwei Wochen Trainingspause nachgewiesen. Etwas besser steht es um den Erhalt der Muskelmasse während kürzeren Auszeiten. Technische Fähigkeiten kannst du jedoch auch über Jahre hinweg aufrechterhalten. Konkret bedeutet das, dass du einen Trainingsausfall von ein bis zwei Wochen schnell wieder kompensiert haben wirst, bzw. kannst du versuchen, mit stark reduziertem aber intensivem Training deine Form zu halten. Spezifität Ein Trainingsreiz muss spezifisch für ein bestimmtes Ziel sein. Ein Marathonläufer läuft den Großteil seines Trainings und fährt nicht Rad. Natürlich gibt es auch Cross Effekte unter den Sportarten, deren Wirksamkeit jedoch oft überschätzt wird. Beim Radfahren werden andere Muskelgruppen trainiert als beim Laufen. Je näher der Wettkampf kommt, desto genauer achte darauf, dass die Trainingsreize wirklich spezifisch für deine Sportart und dein Trainingsziel sind. Eine spezifische Trainingseinheit für einen 10 Kilometer Läufer wären 8-mal 1000 Meter Intervalltraining. 10-mal 100 Meter Sprints wären im Winter ein interessantes Training, nicht jedoch in der Aufbauphase in der Nähe des Hauptwettkampfes. Individualität Das Prinzip der Individualität besagt, dass jeder Mensch ein auf sich abgestimmtes Training benötigt. Kopiere daher nicht Trainingspläne von anderen. Du wirst damit nicht das Maximum herausholen, da sie entweder zu locker, zu intensiv für dich sind, oder deine Stärken, Schwächen bzw. persönlichen Verhältnisse nicht berücksichtigen. Auch wenn du exakt dieselbe Leistung wie ein Trainingskollege realisierst, kann es sein, dass du unterschiedliche Trainingsreize benötigst. Du absolvierst seit einem Jahrzehnt dein Training fast ausschließlich im GA1? Dann benötigst du vielleicht intensive Key Sessions. Du bist der geborene Sprinter? Dann arbeite an deiner Ausdauer. Ein interessanter Fall ist der des Hermann Maiers. Seine Trainer fanden heraus, dass er über einen hohen Anteil an intermediäre Muskelfasern verfügt. Deshalb trainierte er sehr viel am Rad, um seine Ausdauer zu verbessern. Die erzielten Fortschritte ermöglichten es ihm in weiterer Folge öfter sein Abfahrtstraining zu absolvieren. Arbeite daher mit einem professionellen Trainer zusammen, wenn du das maximale Potenzial aus dir herausholen willst.
Optimales Verhältnis zwischen Belastung und Entlastung Du hast sicher schon davon gehört, dass man in den Pausen stärker wird. Die Theorie des Superkompensationseffektes besagt, dass man durch einen Trainingsreiz einen kurzfristigen Formverlust erleidet. Nach der Pause adaptieren sich jedoch deine Systeme und deine Leistung verbessert sich über den ursprünglichen Zustand hinaus. Eine permanente Überforderung kann jedoch zu einem Formverlust führen. In der Praxis scheue dich jedoch nicht davor, hart zu trainieren. Es ist doch sehr selten der Fall, dass man tatsächlich immer schwächer wird aufgrund der Tatsache, dass man viel trainiert. Wenn du dich an die Grundprinzipien, also jede vierte Woche eine Entlastungswoche, ein trainingsfreier Tag pro Woche, sowie keine exorbitanten Steigerungen, hältst, dann ist es sehr unwahrscheinlich, dass du tatsächlich ins Übertraining gerätst. Wovor du dich jedoch hüten musst, sind Überlastungserscheinungen durch das intensive Training. Kontinuität Du hast beindruckende
Leistungen vollbracht und mit enormem Eifer trainiert. Dennoch gelangst
du rasch an einen Punkt, an dem du dich nicht mehr verbesserst. In den
meisten Fällen liegt dies nicht daran, dass du zu wenig trainiert
hast oder gar dein Potenzial bereits voll ausgeschöpft hast. Der
Grund ist ein anderer: Du hast das Trainingsprinzip der Kontinuität
missachtet. Dieses Prinzip beschreibt die Notwendigkeit, Trainingsreize
kontinuierlich zu setzen. Das
bedeutet, dass eine starke Umfangsreduktion über eine längere
Phase hinweg sich extrem negativ auswirkt. Drei gängige Fehler
Wer diesem Konzept folgt, wird zwangsweise an Leistung verlieren. Richtig ist, dass eine gewisse Reduktion in den kalten Monaten zwecks psychologischer Regeneration sowie Wiederherstellung der Adaptionsreserve sinnvoll ist. So werden Trainingsreize wieder wirksam. Dennoch darf nicht zu schonend trainiert werden. Anstelle einfach nur locker zu trainieren, sollten andere Schwerpunkte gesetzt werden. Diese beinhalten durchaus gewisse Intensitäten. Wer jedes Jahr im Winter deutlich weniger und schonender trainiert, wird jedes Jahr von Neuem beginnen.
In diese Kategorie falle sämtliche Faktoren, die uns dazu bewegen, das Training in deutlich geringerem Umfang auszuführen als geplant. Berufliche Belastungen und familiäre Verpflichtungen, aber auch unter Umständen ein längerer trainingsfreier Urlaub, gehören zu diesen. Amateure werden immer wieder Kompromisse schließen müssen. Jedoch können derartige Faktoren oft in die Trainingsplanung integriert werden. So kann das Training angepasst werden, etwa mit weniger aber intensiveren Einheiten, mit einem durchdachten Programm, das sich optimal an den Tagesablauf anpasst oder mit der Verschiebung eines Wettkampfes. Es sollte dennoch versucht werden, ein bestimmter Mindestumfang von 60 Prozent des Geplanten umzusetzen.
Viele Amateure gehen davon aus, dass sie, wenn sie phasenweise eine außergewöhnliche hohe Dichte an Reizen setzen, eine drastische Leistungssteigerung bewirken können. Dies ist nur bedingt der Fall, wie zum Beispiel bei sehr erfahrenen Athleten nach einem Trainingslager. Tatsächlich werden sechs bis acht Wochen benötigt um strukturelle, also nachhaltige Adaptionen wie Muskelwachstum zu bewirken. Außerdem stellt sich die Frage, wie man sich in den folgenden Monaten oder gar Jahren weiterhin steigern kann, wenn bereits überdurchschnittlich intensiv trainiert wird. Die Folge von derartigen Experimenten sind oft Verletzungen und Überlastungen. Verletzungen stellen im Weiteren eine extreme Bedrohung für unsere Form dar. Zwangspausen machen rasch das zunichte, was wir uns mühsam aufgebaut haben. Übertrieben hohe Umfänge stellen daher ein Risiko für das Trainingsprinzip der Kontinuität dar. Fazit Wer es schafft, diese drei Trainingsfehler zu vermeiden und gleichzeitig sorgsam bedachte Trainingssteigerungen umsetzt, der wird langfristig am meisten profitieren. Denn eines sollte jedem klar sein, und zwar, dass Trainingsausfälle monatelanges Training zunichte machen. Daher steht das Trainingsprinzip der Kontinuität an erster Stelle. Die gute Nachricht zu allerletzt: Eine gewisse Form lässt sich über einen kürzeren Zeit auch mit reduziertem Trainingspensum retten. Ähnlich wie bei einer Tapering-Phase (reduziertes Training mit intensiveren, eingestreuten Belastungen ein bis drei Wochen vor einem Wettkampf), kann auch unter der Saison durch ein ausgeklügeltes Programm, Zeitraum mit geringerem Trainingsumfang überbrückt werden.
Warum Vielfalt im Training der Schlüssel zu Spitzenleistung ist und was Hobbysportler davon lernen können Jorge 01/2026 Seit Jahrzehnten suchen Trainer und Sportwissenschaftler nach der einen Formel für maximale Leistungsfähigkeit. Mehr Training. Härteres Training. Früher anfangen. Alles plausibel und trotzdem unvollständig. Aktuelle
Forschung zeigt immer deutlicher: Absolute Spitzenleistung entsteht nicht
durch monotones Wiederholen desselben Reizes, sondern durch gezielte Vielfalt,
intelligente Variation und langfristige Struktur. Genau das sehen wir
heute im Hochleistungssport und genau daraus lassen sich wertvolle
Schlüsse für den Breiten- und Hobbysport ziehen. Das alte Denken: mehr vom Gleichen Viele Trainingskonzepte vor allem im Ausdauersport folgen noch immer einem simplen Muster: Wer besser werden will, muss mehr trainieren oder härter trainieren. Dieses Denken hat zwei Probleme: 1. Der Körper
passt sich schnell an monotone Reize an. Wenn Intensität, Dauer und
Struktur gleich bleiben, nimmt der Trainingsreiz ab selbst wenn
der Umfang steigt. Genau hier
setzt die moderne Forschung an. Was die Wissenschaft heute zeigt: Vielfalt schlägt Monotonie Neuere Arbeiten
aus Trainingswissenschaft und Hochleistungssport zeigen ein klares Muster:
Das betrifft nicht nur Ausdauer, sondern auch Kraft, Technik, Schnelligkeit und mentale Belastung. Der entscheidende Punkt:
Genau diese
Vielfalt erzeugt eine breitere und stabilere Leistungsbasis. Warum Variation physiologisch Sinn macht Training wirkt über sogenannte Signalkaskaden im Körper. Unterschiedliche Belastungen aktivieren unterschiedliche Signale:
Wenn immer nur ein Reiz gesetzt wird, werden auch nur wenige Anpassungspfade genutzt. Vielfalt öffnet mehrere Anpassungswege gleichzeitig ohne sie zu überlasten. Spitzenleistung entsteht langfristig nicht durch Abkürzungen Ein wichtiger
Punkt aus der aktuellen Diskussion: Athleten, die sehr früh extrem
spezialisiert trainieren, zeigen oft schnelle Fortschritte, erreichen
aber langfristig nicht das höchste Leistungsniveau. Warum?
Erfolgreiche Karrieren im Spitzensport sind häufig geprägt von:
Das Ziel
ist nicht schnelle Form, sondern nachhaltige Leistungsfähigkeit. Der entscheidende Transfer: Was heißt das für den Breitensport? Jetzt wird es spannend denn genau hier liegt der größte Denkfehler vieler Hobbysportler. Typisches Muster im Breitensport:
Das fühlt sich kontrolliert an ist aber trainingsphysiologisch limitiert. Vielfalt im Breitensport: nicht komplizierter, sondern klüger Wichtig: Vielfalt bedeutet nicht Chaos. Es bedeutet auch nicht täglich etwas völlig Neues. Im Gegenteil:
Sinnvolle Trainingsvielfalt für Hobbysportler heißt:
Das Ergebnis:
Warum gerade Hobbysportler davon profitieren Im Spitzensport ist Vielfalt notwendig, um das letzte Prozent herauszuholen. Im Breitensport ist sie entscheidend, um überhaupt langfristig besser zu werden. Denn:
Ein monotoner
Trainingsansatz führt hier schneller zu Stagnation, Überlastung
und Frust. Strukturierte Variation ist deshalb kein Luxus sondern
Voraussetzung. Ein einfaches Leitprinzip Wenn man die Forschung auf einen Satz reduzieren müsste, wäre es dieser:
Oder sportlicher formuliert:
Fazit Die moderne
Trainingswissenschaft zeigt klar:
Im Spitzensport
entscheiden sie über Weltklasse. Wer langfristig besser werden will egal auf welchem Niveau braucht:
Nicht mehr
Training.
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