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Tipp:
Stillstand
in der Wasserleitung Nach längerer Abwesenheit von der eigenen Wohnung empfiehlt es sich grundsätzlich, auf frisches, unbelastetes Trinkwasser zu achten. Bei längerem Stillstand in Wasserleitungen, man spricht hier von Stagnation, kann eine erhöhte Belastung von Legionellen auftreten. Die Prüforganisation Dekra warnt, dass Legionellen-Kontamination gefährliche Lungenentzündungen begünstigen. Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) sind hiervon in Deutschland jedes Jahr etwa 15 000 bis 30 000 Personen betroffen. Laut Trinkwasserverordnung sind die Betreiber von Häusern mit mehr als zwei Wohneinheiten und Warmwasserbereitungsanlagen ab einer bestimmten Größe verpflichtet, in einem Abstand von bis zu drei Jahren Trinkwasser durch akkreditierte Labore entnehmen und untersuchen zu lassen. Legionellen sind weit verbreitete Bakterien, die Seen, Flüssen und Grundwasser sowie in feuchten Böden oder Kompost in geringen Mengen vorkommen. Die normalerweise unbedenklichen Keime können zu einer Gefahr für die menschliche Gesundheit werden, wenn sie sich stark vermehren. Gute Voraussetzungen für die Ausbreitung finden Legionellen unter anderem in stehendem Wasser. Liegt die Warmwassertemperatur zudem zwischen 30 und 45 Grad Celsius, ist der optimale Vermehrungsbereich gegeben. Die Gründe für erhöhte Legionellen-Befunde sind vielschichtig und liegen häufig in einem Zusammenspiel zwischen falschem Anlagenbetrieb, veralteter oder mangelhafter Anlagentechnik sowie unzureichender Wartung, so Stefan Schüttler, Trinkwasserexperte und Sachverständiger bei Dekra. Gelangen bei belasteten Trinkwasseranlagen Wassertröpfchen (Aerosole) in die Atemwege, zum Beispiel beim Duschen, ist eine Ansteckung mit Legionellen möglich. Folgen einer solchen Infektion können Pontiac-Fieber oder Lungenentzündungen sein. Besonders ältere oder immungeschwächte Personengruppen sind hiervon stärker gefährdet. Wird aus einer Trinkwasseranlage längere Zeit kein Wasser entnommen, kann dies die Vermehrung von Legionellen begünstigen. Daher ist es erforderlich, nach einer Abwesenheit die Leitungen durchzuspülen und das stagnierende Wasser durch frisches zu ersetzen, sagt Trinkwasserexperte Schüttler. Je nach Dauer der Abwesenheit sind folgende Maßnahmen erforderlich: Schon nach einer Abwesenheit von vier Stunden bis zu drei Tagen muss das in den Rohrleitungen stehende Wasser ablaufen. Steht das Wasser länger als drei bis zu sieben Tage still, muss der Nutzer die Entnahmestellen mindestens fünf Minuten vollständig öffnen. Das gilt sowohl für Kaltwasser als auch für Warmwasser. Bei bis zu vier Wochen Stillstand muss die Anlage fachgerecht gespült werden. Nach einer Stilllegung für mehr als vier Wochen, sind zusätzliche mikrobiologische Untersuchungen erforderlich. Generell gilt: die Armaturen in Küche, Bad und Dusche brauchen frisches Wasser. Das abgelaufene Wasser kann für andere Zwecke, wie Blumengießen, verwendet werden. Die Trinkwasserverordnung in Deutschland nennt für Legionellen in einer Trinkwasserinstallation einen Grenzwert von 100 KilobyteE (koloniebildende Einheiten) pro 100 Milliliter. Ab diesem Wert ist das beauftragte Labor verpflichtet, die Werte an das Gesundheitsamt weiterzuleiten. |
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